5 Tage lang erlebte Malte die DVM. Dabei lernte er vieles Neues kennen und hat dies in einen kleinen Bericht unserer WEB zur Verfügung gestellt.
Allein unter Mädchen
Der Erfahrungsbericht des M.I. von einem Märchen in weiblich
Ich glaubte es sei ein Traum als Eberhard Schabel mich
anrief und mir knapp 80 Mädchen versprach. Also nicht, dass ich noch nie 80
Mädchen gesehen hätte, aber die Nebenbedingung an diese Mädchen war, dass sie
allesamt an einem Schachturnier teilnahmen. Weiterhin ist es für mich nun auch
nichts so besonderes 80 Mädchen auf einem Schachturnier zu sehen, aber der
Höhepunkt des Anrufes war, dass dieses Schachturnier in der Jugendherberge von
Neumünster stattfinden sollte. Und 80 schachspielende Mädchen auf schleswig-holsteinischen
Boden habe ich nun wirklich noch nie
gesehen. So musste ich auch nicht lange überlegen – reichte Urlaub bei meinem
Arbeitgeber ein – und sagte Eberhard als Helfer bei der Deutschen
Vereinsmannschaftsmeisterschaft U14w zu, die vom 26.12.-30.12.09 in Neumünster
stattfinden sollte. Immerhin wurde mir als kleiner Bonus sogar noch Juliane
Borch“ardt“ert zur Seite gesetzt.
Anreise war am 26.12.09, wobei man von Anreise nun ja kaum sprechen durfte, da
die Neumünsteraner Jugendherberge sowieso schon meine zweite Heimat ist. Nett
wie Eberhard zu mir war, reservierte er mir auch wieder „mein“ Zimmer 201. Mein
Gepäck, incl. knapp 150 nicht lange haltbaren Lollies konnte ich dann dort auf
den drei Betten verteilen, während ich das vierte (das Schrankbett!) als
Schlafgemach nutzte.
Am 27.12.09 hatte ich dann um 9.00 Uhr die große Ehre, die wohl größte
Mädchenschachveranstaltung der letzten Jahrzehnte auf schleswig-holsteinischen
Boden zu eröffnen. Ab dann war meine Aufgabe, ebenso wie die von Juliane, die
Partien der Meisterschaft einzugeben und die jeweiligen Rundenausdrucke
vorzubereiten, sowie ein wenig das Freizeitprogramm zu übernehmen. Aber gut,
bevor dies losgehen sollte, konnte ich mir erstmal ein Bild von dem Turnier
machen.
Als Mitarbeiter der Schachjugend Schleswig-Holstein lag mein besonderes
Augenmerk natürlich auf den Mädels vom Ausrichter TuRa Harksheide, die immerhin
auch an zwei gesetzt waren und damit realistische Chancen auf den Deutschen
Meister Titel hatten. Größter Konkurrent sollte der SC Ladja Roßdorf/Hessen
sein. Aber auch die beiden mir sehr sympathischen Chemnitzer Teams/ Sachsen und
der OSC Baden-Baden/ Baden! Durften wohl nicht unterschätzt werden. Insgesamt
hatten sich 18 Teams qualifiziert. Neben den 9 Tischen wurde noch ein extra
Turnier für die Ersatzspieler organisiert, was mir persönlich sehr gut gefiel.
Ich würde mich freuen, so etwas regelmäßig auch auf anderen Meisterschaften zu
sehen.
Der Schiedsrichter Albrecht Beer aus Thüringen übernahm gemeinsam mit dem
DSJ-Referenten Kenneth-Alexander Grodotzki den Turniersaal. Ich sollte die
Meisterschaft hauptsächlich vor meinem PC im Kaminzimmer verbringen. Schnell
war klar, dass es nicht nur eine Freude sein sollte, die Partien eingeben zu
dürfen. Positiv zu erwähnen sind bei jungen Mädchen auf jeden Fall die schöne
Schrift, die unterschiedlich gewählten Schriftfarben (oder schreibt man als
Junge seine Partie mit pinkem Filzstift?) und natürlich die netten Tiere und
Blumen an den Rändern der Formulare. Eindeutig negativ zu sehen sein musste
aber die Dauer der Partien. Genauer gesagt nicht die Dauer, sondern die Anzahl
der Züge der Partien und damit die Dauer der Eingabe der Partien. Selbstverständlich
hat man sich auch ein Matt mit zwei Damen und Turm noch zeigen lassen und bis
zum 60.Zug weitergespielt. Aber man will sich nun ja gar nicht beschweren. Zum
einen unterstützte uns der zweite DSJ Abgesandte Raphael Bömelburg
aufopferungsvoll bei der Eingabe, zum Anderen war es eine viel schönere Aufgabe
Partien einzugeben, als Auslosungen, Ergebnisse etc. auszudrucken. Der Drucker
hatte leider die Macke, dass er maximal eine Seite zur Zeit einlegen ließ und
diese auch erst im ca. fünften Anlauf tatsächlich bedruckte. Nun musste man
also nur noch hoffen, dass der Druck nicht fehlerhaft war, was natürlich nicht
immer der Fall war, da der Drucker gerne auch mal nicht gewünschtes druckte
oder das Blatt einfach quer einschob. So konnte im Schnitt errechnet werden,
dass für 10 zu bedruckende Seiten knapp 30 Minuten „Manpower“ an diesem
liebenswürdigem Gerät gefesselt waren. Hier dann auch noch mal ein großer Dank
an unseren Organisator Eberhard. Zum einen, weil ich dank ihm diesen Drucker
kennenlernen durfte und so schnell über keinen anderen Drucker mehr schimpfen
werde und zum Anderen, da er nach eineinhalb Tagen ein Erbarmen hatte und einen
neuen Drucker für uns anschaffte.
Das Turnier hatte sich zu dieser Zeit ebenfalls schon spannend gestaltet. Nach klaren
Siegen von Ladja Roßdorf (4-0 über SG Porz/NRW) und unseren TuRanern (3,5-0,5
gg. SC Bechhofen/BAY) folgte die erste Zitterpartie für den Favoriten. Während
TuRa die zweite Runde wieder klar 4-0 gegen Porta Westfalica/NRW gewann. Musste
sich Ladja Roßdorf nach über 5 Stunden Spielzeit ein 2,5-1,5 über den OSC
Baden-Baden erzittern.
Die dritte Runde sollte dann schon die Spitzenpaarung zwischen TuRa und Ladja
Roßdorf erfolgen. Unsere Mädels Annika Polert, Luise Diedrichs, Jasmin
Zimmermann und Jana Klich, die im Notfall noch von den Ersatzspielern Anna Lena
Schramm und Inken Köhler hätten ersetzt werden können, mussten am ersten Abend
also gut von IM Alexandr Bodnar vorbereitet werden, um hier gleich die Weichen
für den Titel stellen zu können.
Während ich nun also im Laufe der dritten Runde den Drucker einrichten durfte,
erfuhr ich, dass die Resultate am Tisch 1 leider zu ungunsten der TuRaner
verliefen. Lediglich Jana gelang ein voller Punkt. Annika und Jasmin verloren
hingegen ihre Partien unglücklich und für Luise kam nicht mehr als ein Remis
heraus. In der Nachmittagsrunde lief dann zwar endlich der bessere Drucker,
aber leider wieder nur wenig bei unseren Mädels, die gleich noch ein 2-2 gegen
die BSG Chemie Leipzig nachlegten und den Kampf um Platz 1 schon beenden
konnten. Drei Punkte sollte Ladja Roßdorf nicht mehr abgeben. Aber ein Platz
auf dem Treppchen durfte das Ziel der Mädels bleiben.
Nach meinen getanen Tageswerk, dass dank des neuen Druckers klar beschleunigt
wurde, durfte ich mit Juliane eine Spritztour in meine Wohnung nach Elmshorn
machen. Hintergrund war der Ausruf Eberhards am ersten Tag: „Hier sind die
Partieformulare“ mit welchen er stolz 500 durchschreibende Partieformulare
präsentierte. Nun bin ich kein Matheexperte, schaffte es aber festzustellen,
dass 500 Partieformulare bei insgesamt 280 stattfindenden Partien sehr knapp
waren. Die Belohnung für meine rechnerische Kunst war dann diese Spritztour, um
durschreibende Formulare der letzten LJEM’s zu besorgen. Bis hierhin muss man
feststellen, dass die Stimmung im Team schlichtweg super war. Ebenso war an den
restlichen Betreuern nichts negatives auszumachen. Aber da ein zu gut
funktionierendes Team nun ja viel zu langweilig ist, packte ich außer den
bestellten Partieformularen auch noch mein tolles Fußballtrikot vom Chemnitzer
FC ein. Zum Einen, nahmen aus Chemnitz gleich zwei Vereine bei der DVM teil,
zum zweiten ist Chemnitz die Geburtsstadt des besten deutschen Sängers aller
Zeiten (grundsätzlich eine subjektive Einstellung, aber ich denke, dass auch
objektiv Matthias Reim in dieser Rangliste weit oben stehen würde!), zum
dritten hat der Chemnitzer FC eine große Fanfeindschaft mit dem FC Erzgebirge
Aue; zufällig der Lieblingsverein des grauhaarigen Organisators Eberhard
Schabel, der es mehrere Stunden schaffte mir aus dem Weg zu gehen und sogar
versuchte seine Mädels, die zufälligerweise gegen den Chemnitzer SC gelost
wurden, gegen mich aufzuhetzen. Dank meiner Lollies scheiterte er hier
natürlich gnadenlos und gab am Ende klein bei.
Es ging also wieder zum normalen Alltag, der Eingabe der knapp 40 Partien pro
Runde, über. Eine Anzahl, bei der die DSJ Beauftragten im Übrigen völlig
überrascht waren, dass wir uns nicht überfordert fühlten, zu Mal wir auch noch
das Überraschungsturnier mit immerhin 9 Teilnehmern organisierten. Verglichen
mit der LJEM, die wir nun ja schon mehrmals mit organisiert hatten, blieb die
DVM also eine kleine Veranstaltung. Bei der DVM blieb das Kaminzimmer den
Vereinen auch stets offen. So lernte man vor allem die Teams vom SC Diogenes
Hamburg und Ladja Roßdorf sehr gut kennen, die es direkt als
Vor-/Nachbereitungsraum nutzen und als Gegenleistung gerne auch mal bei der
Partieeingabe halfen oder den Raum beaufsichtigten. Am Besten lernten wir aber
wohl die 8jährige, liebenswürdige Carolina Böse aus dem bayerischen Bechhofen
kennen, die als Ersatzspielerin ihre Zeit lieber bei uns verbrachte als am
Brett des Ersatzspielerturnieres oder gar bei ihrem „d******“ Betreuer.
Als Fazit bleibt also zusagen, dass ich Helfer einer friedlichen Deutschen
Meisterschaft werden durfte, bei der ich feststellen konnte, dass Mädchen
definitiv so gut Schach spielen können wie Nicht-Mädchen, dass Lollies nicht
nur in Schleswig-Holstein eine beliebte Zwischenmahlzeit sind und das ein
Favorit nicht immer schlagbar ist. Turniertechnisch setzte sich am Ende der SC
Ladja Roßdorf nämlich souverän mit 7 Mannschaftssiegen in den 7 Runden durch.
Gleichzeitig gewannen sie auch noch das Tandemturnier. Unsere TuRaner Mädels
konnten das Turnier mit 11-3 Punkten als Deutscher Vizemeister abschließen.
Daher einen herzlichen Glückwunsch, sowohl an SC Ladja Roßdorf, als auch an
TuRa Harksheide und natürlich an alle restlichen Teams, die ihre Ziele erreicht
haben.
Und auch wenn dieses Turnier sehr schön war, man alte Bekannte wiedersehen und
neue Bekanntschaften knüpfen konnte, ist man am Ende doch wieder froh, wenn der
letzte Zug die Datenbank erreicht hat und gleichzeitig die letzten Gäste in
ihre Heimatorte bringt und man endlich wieder zu ein wenig Ruhe und vor allem
Schlaf kommt! Fest steht, sollte Eberhard mich in den nächsten Jahren noch
einmal anrufen – ich würde wieder zusagen. Aber natürlich wieder nur mit
Eintracht Braunschweig Schal und Chemnitzer FC Trikot!
Bis dahin euer Partieprofitipper
Malte Ibs