Bericht unserer Spielerin Amina aus Düsseldorf

 Amina Sherif

Für unseren Verein spielt Amina seit der Saison 2016/17 (FBL). In der Saison gelang ihr zum Beispiel ein sehr überzeugender Sieg gegen die damalige Deutsche Nationalspielerin WGM Levushkina, Elena.
Zusammen mit unserem Mädchenteam versucht Amina in der laufenden Spielzeit die Rückkehr in die 1. Frauen- Bundesliga.
Ihr Heimatverein ist die SG Solingen. Neben dem Vereinsschach spielt sie für Ägypten bei großen Wettkämpfen (Team/Einzel- WM und Olympiade) erfolgreich mit. Seit 2017 gehört sie zudem zum Team des Projektes "Faszination Schach" des GM Sebastian Siebrecht aus Essen.
Wir sind sehr darüber glücklich, dass Amina für unseren Verein spielt!


03.01.2018 Bericht NZ

Vom 26.12.-30.12. fanden in Düsseldorf die Deutschen Vereinsmeisterschaften der U20 und U20w statt.
Ich hatte in meinem Leben nur einmal an einer DVM teilgenommen (2012 in der U14w Brett 1 für meinen Heimverein SG Solingen)



und war dementsprechend unvoreingenommen was Erfahrungen und Erwartungen anging. Obwohl ich den Status einer "Gastspielerin" hatte, fühlte ich mich im Team nicht fremd, da ich die Mädchen und Wolfgang ja schon durch die letzte Saison FBL und natürlich die jetzige Saison in der 2. FBL kenne.
Am Tag der Anreise gab es noch keine Runde, sodass wir gemeinsam loszogen um uns den Düsseldorfer Weihnachtsmarkt anzugucken.
Wieder in der Jugendherberge angekommen, hat Wolfgang uns direkt mit einer ausgiebigen Vorbereitung und Taktikaufgaben versorgt und der Ernst des Turniers begann.
Die Jugendherberge war sehr modern, gut gelegen (tolle Aussichten auf den Rhein aus dem Turniersaal) und auch die Parkmöglichkeiten waren gut. Auszusetzen war allerdings, dass man nur in der Eingangshalle über gutes WLAN verfügte und das Essen nicht immer den Geschmack getroffen hat.
Obwohl ich als gebürtige Rheinländerin zwar den "Heimvorteil" hatte, war ich mit einer Erkältung angereist und ich hatte Sorgen, dass ich das kräftezehrende Turnier (3 Doppelrunden an aufeinanderfolgenden Tagen) nicht durchziehen konnte.
Wolfgang hat mich und die anderen aber von Anfang an mit magischen Hustenbonbons versorgt, für die er extra meilenweit zu einer Apotheke gelaufen ist :D
Die erste Runde führte uns gegen Chemnitz, die wir mit souveränen 3,5 zu 0,5 bezwingen konnten. Das war ein gelungener Start und gab auf jeden Fall Selbstbewusstsein für die kommenden Spiele. Im nächsten Spiel hatten wir einen weiteren Gegner aus Sachsen, und zwar aus Leipzig. Die Begegnung war wegweisend, da das Leipziger Team direkt hinter uns gesetzt war. Alle unsere Mädchen konnten ihre Partien für sich entscheiden, außer mir, die im 40. Zug eine gute Stellung verpatzt hat. Der erste Tag war schon recht anstrengend und mir wurde bewusst, wie wenig Zeit zwischen den Runden für Mittagessen und Vorbereitung blieb.
Und am nächsten Morgen wartete schon der nächste Brocken auf uns: Das starke Team aus Stetten. Das Endergebnis von 1-3 spiegelt allerdings nicht das Potential wieder, das in den einzelnen Partien steckte. An Brett 4 verlor Anna später eine Stellung, die zwischenzeitlich vielversprechend aussah und Jasmin ging leider in einem Remisen Endspiel matt. Nur Inken konnte ihre Partie nach erbittertem langen Kampf für sich gewinnen und ihr blieb unglaublich wenig Zeit zwischen der 3. und 4. Runde.
Mit 1/3 musste ich in die vierte Runde starten, eine Zwischenbilanz, mit der ich unzufrieden war. Aber gegen den SK Endigen rechneten wir uns gute Chancen aus und so konnten wir diesen Kampf recht souverän für uns entscheiden. Nur Inken hat nach ihrer langen Partie am morgen nicht gewinnen können und kam an dem Tag auf insgesamt 10h Schach spielen. Wir fühlten uns an dem Tag ziemlich mitgenommen und sahen laut Wolfgang dementsprechend aus. An der Stelle möchte ich die Top Betreuung durch Wolfgang hervorheben, er hat uns allen eine super Eröffnungsvorbereitung zusammengestellt, sich im Turniersaal für uns eingesetzt (zB uns Schaulustige in der Zeitnotphase vom Leib gehalten und vor der Tür für Ruhe gesorgt- Sachen, die eigentlich von den Schiedsrichtern vor Ort hätten geregelt werden müssen) und auch seine kontinuierliche Motivation und das "Aufpäppeln" nach unglücklichen Spielen haben zu einer tollen Teamatmosphäre beigetragen.


Der letzte Tag mit Doppelrunde startete unglücklich: Gegen den hinter uns gesetzten SV Lingen verloren wir mit 1,5. Nur Inken konnte einen vollen Zähler beisteuern, Jasmin remisierte und Anna verlor. So hing das Ergebnis sozusagen an dem Ausgang meines Spieles. Ich kämpfte schon länger auf verlorenem Posten, allerdings räumte mir meine serbische Gegnerin, die extra als Gastspielerin für Lingen angereist war, hin und wieder Gegenchancen ein, sodass ich weiterkämpfte. Eine dreiviertel Stunde vor Beginn des nächsten Spiels gab ich dann auf, ich hab sozusagen "Inkens Fluch" vorm Vortag aufgenommen und bin für die vorletzte Runde ziemlich unvorbereitet und erschöpft angetreten. Jetzt waren wir durch die Niederlage auf den 4. Platz abgerutscht und mussten nun um eine Platzierung in den Top 3 kämpfen. Mit dem 4-0 in der 6. Runde hatten wir eine gute Ausgangslange geschaffen, um in der letzten Runde dann einen Medaillenplatz zu sichern. Obwohl die Abende recht kurz waren (wir fielen meist vor 11 Uhr wie die Steine ins Bett) entschlossen wir uns den letzten Abend bei einem Glas Wein/Bier/sonstigem ausklingen zu lassen.
In der 7. Runde wartete der Karlsruher SF auf uns, ein Verein der nominell wesentlich schwächer aufgestellt war. Trotzdem hieß es volle Konzentration, denn uns waren mit einem Gewinn sogar noch theoretische Chancen auf den 2. Platz verblieben. Und tatsächlich konnten wir uns mit einem 3,5-0,5 Sieg auf den 2. Platz schieben, da wir von einem Straucheln des Leipziger Teams profitierten, die in der letzten Runde keinen Mannschaftssieg erringen konnten.

Neben dem Vize-Titel wurde unser Brett 2 auch mit einem Brettpreis geehrt (Gratuliere Inken für deine starke Leistung von 6/7! Deine zuverlässigen und soliden Ergebnisse waren maßgeblich für den Teamerfolg)
Toll war, dass alle Teams in der U20w bis zur Siegerehrung geblieben sind, auch wenn der Bühnenauftritt von einem Team für Erstaunen gesorgt hat (Riesen-Plüsch-Einhorn auf der Bühne?)
Was kann man als Fazit aus dem Turnier mitnehmen?
Das Turnier war gut organisiert, allerdings muss ich das Durchsetzungsvermögen der Schiedsrichter bemängeln. Wenn angekündigt wird, dass das Benutzen von Handys zur Niederlage führt, muss bei Handyklingeln reagiert werden und bei Verdacht müssen Spieler auch dazu aufgefordert werden, ihre Tasche zu leeren. Ebenso muss vor der Tür für Ruhe gesorgt werden, wenn viele Bretter sich in unmittelbarer Nähe zum Ein-/Ausgang befinden, etc.
Schachlich gesehen konnten wir unseren Setzplatz verteidigen, mit ein bisschen mehr Glück in Einzelergebnissen wäre vielleicht sogar mehr drin gewesen. An dieser Stelle meine Glückwünsche an den SpVgg Stetten zum Titelgewinn.
Aber die Hauptsache ist, dass wir als Team Spaß und einen spannenden, fairen Wettkampf hatten, für den es sich gelohnt hatte, die Feiertage zu "opfern". Ich bedanke mich für die Nominierung als Gastspielerin und grüße aus dem sonnigen Hurghada,
Amina Sherif  03.01.2017

Aufstellung

Nr. Name Tit. Geb. DWZ Elo Typ 1 2 3 4 5 6 7 Σ

Brettpunkte 3 1 3 4 19½

Mannschaftspunkte 2 2 0 2 0 2 2 10
1 Amina Sherif WIM 1999 2007 2041
 1  0  0  1  0  1  ½
2 Inken Köhler
2001 1917 1909
 1  1  1  0  1  1  1 6
3 Jasmin Zimmermann
1997 1735 1799
 ½  1  0  1  ½  1  1 5
4 Anna-Lena Schramm
1998 1526 1474
 1  1  0  1  0  1  1 5

Tabelle

Pl. Verein Ø DWZLand Pkt.
1 Spvgg 1946 Stetten 1960 BAY 12
2 TuRa Harksheide Norderstedt 1796 SHO 10
3 SG Leipzig 1765 SAC 10
4 SV Lingen 1632 NDS 10
5 USG Chemnitz 1497 SAC 6
6 Leegebrucher SF 1503 BRA 4
7 Karlsruher SF 1545 BAD 2
8 SK Endingen 1374 BAD 2